Bullish-Manager fordert Fortschritte beim CLARITY Act: Warum FTX den Fall für eine Regulierung digitaler Vermögenswerte weiterhin prägt

Aktualisiert am 7. Aug. 2026

Bullish-Manager fordert Fortschritte beim CLARITY Act: Warum FTX den Fall für eine Regulierung digitaler Vermögenswerte weiterhin prägt

Die Debatte über die Regulierung von Kryptowährungen in den USA ist längst kein Nischenthema mehr innerhalb der Digital-Asset-Branche. Während Banken, Vermögensverwalter, Clearingstellen und Anbieter von Marktinfrastruktur immer tiefer in die Tokenisierung einsteigen, rückt eine viel größere Frage in den Vordergrund: Welche Regeln sollen die nächste Generation der Finanzinfrastruktur bestimmen?

Randi Abernethy, Head of Clearing and Group Risk bei Bullish, argumentierte kürzlich, dass das Scheitern des US-Senats, den Digital Asset Market Clarity Act, besser bekannt als CLARITY Act, voranzubringen, nicht als Zeichen dafür gelesen werden sollte, dass sich die Märkte für digitale Vermögenswerte abschwächen. Vielmehr zeige sich daran, wie dringend ein kohärenter bundesweiter Rahmen für Kryptomärkte gebraucht werde – besonders vor dem Hintergrund der Lehren aus FTX.

Ihr Punkt ist hochaktuell. Der Kryptomarkt ist längst weit über spekulativen Handel hinausgewachsen. Stablecoins sind inzwischen eine wichtige Nachfragequelle für kurzfristige US-Staatsanleihen, tokenisierte Fonds ziehen globale Finanzinstitute an, und öffentliche Blockchains werden zunehmend als Abwicklungsinfrastruktur diskutiert. Ohne klare Gesetze könnte die nächste Marktstörung nicht auf den Kryptobereich beschränkt bleiben.

Der CLARITY Act betrifft die Marktstruktur, nicht nur Krypto

Im Kern soll der CLARITY Act festlegen, wie digitale Vermögenswerte in den Vereinigten Staaten reguliert werden sollen. Der Gesetzentwurf versucht, die Zuständigkeiten von Behörden wie der Commodity Futures Trading Commission und der Securities and Exchange Commission klarer zu definieren. Zugleich schafft er Regeln für Börsen, Broker, Dealer, Verwahrung, Offenlegung und den Schutz von Kundinnen und Kunden.

Jahrelang haben US-Krypto-Unternehmen in einem zersplitterten regulatorischen Umfeld agiert. Manche Vermögenswerte gelten als Wertpapiere, andere als Rohstoffe, und viele bewegen sich in einer Grauzone – je nachdem, wie sie ausgegeben, gehandelt oder genutzt werden. Diese Unklarheit schafft Risiken für Unternehmen und Nutzer gleichermaßen.

Ein bundesweites Gesetz zur Marktstruktur würde Risiken nicht aus der Welt schaffen. Es könnte aber die gefährlichsten Formen von Unsicherheit verringern, indem es Mindeststandards setzt für:

  • die Trennung von Kundengeldern und Unternehmensvermögen
  • Regeln gegen Interessenkonflikte
  • Kapital- und Liquiditätsanforderungen
  • transparente Marktinformationen
  • Registrierungswege für Intermediäre im Bereich digitaler Vermögenswerte
  • eine klarere Zuständigkeit zwischen den Bundesbehörden

Der Text und der aktuelle Stand des Gesetzes lassen sich auf der offiziellen Seite des US-Kongresses zum Digital Asset Market Clarity Act of 2025 nachverfolgen.

Warum FTX weiterhin als zentrale Warnung gilt

Der Zusammenbruch von FTX war nicht einfach nur die Geschichte einer schlecht geführten einzelnen Börse. Er legte ein tiefer liegendes strukturelles Problem offen: Wenn Handelsplätze, verbundene Market Maker, Verwahrfunktionen und Kundengelder nicht klar voneinander getrennt sind, können Nutzer katastrophale Verluste erleiden, noch bevor sie überhaupt verstehen, wo das Risiko liegt.

Das Strafverfahren und das Insolvenzverfahren zeigten, wie schnell Vertrauen verschwinden kann, wenn Kundinnen und Kunden entdecken, dass die Plattform, der sie vertraut haben, nicht mit den Sicherheitsmechanismen arbeitete, die man in reifen Finanzmärkten erwarten würde. Das US-Justizministerium hat offizielle Unterlagen zu dem Fall veröffentlicht, darunter auch seine Mitteilung nach der Verurteilung von Samuel Bankman-Fried.

Genau deshalb bleibt die Lehre aus FTX auch 2025 relevant. Der Kryptomarkt ist gewachsen, doch viele Nutzer greifen weiterhin über zentrale Plattformen auf digitale Vermögenswerte zu. Wenn diese Plattformen Börsenbetrieb, Kreditgeschäft, Verwahrung, Market Making und Eigenhandel unter schwacher Aufsicht bündeln, können dieselben Fehlerbilder erneut auftreten.

Die Debatte um den CLARITY Act geht daher weit über die Frage hinaus, ob Krypto gefördert oder eingeschränkt werden sollte. Es geht darum, ob Unternehmen mit digitalen Vermögenswerten Regeln befolgen müssen, die verhindern, dass Kundengelder zweckentfremdet werden, verdeckte Hebelwirkungen begrenzen und operative Risiken sichtbar machen, bevor eine Krise ausbricht.

Die traditionelle Finanzwelt geht bereits on-chain

Abernethys weitergehende Argumentation lautet, dass die Politik über die Marktstruktur im Kryptobereich diskutiert, während die traditionelle Finanzwelt bereits aktiv an Blockchain-basierten Systemen baut.

Das ist längst keine Theorie mehr. Große Finanzinstitute beschäftigen sich mit tokenisierten Abbildungen von Fonds, Aktien, Anleihen, Sicherheiten und Geldmarktinstrumenten. Auch die Depository Trust & Clearing Corporation untersucht, wie Tokenisierung die Infrastruktur nach dem Handel und die Abläufe an den Kapitalmärkten beeinflussen könnte – unter anderem im Rahmen ihrer Arbeit zu digitalen Vermögenswerten und tokenisierter Marktinfrastruktur.

Die Beteiligung großer Institutionen verändert die politische Debatte. Tokenisierung bedeutet nicht nur, Vermögenswerte on-chain auszugeben. Sie kann auch die Abwicklungsgeschwindigkeit, die Mobilität von Sicherheiten, Transparenz, Liquiditätssteuerung und die Struktur der Finanzintermediation beeinflussen.

Wenn tokenisierte ETFs, tokenisierte US-Staatsanleihen und On-chain-Abwicklungssysteme Teil des Mainstream-Finanzsystems werden, dann wird die Regulierung digitaler Vermögenswerte zu einer Frage der systemischen Infrastruktur. Die Frage lautet dann nicht mehr: „Wie sollen Kryptounternehmen reguliert werden?“ Sondern: „Wie funktionieren Finanzmärkte, wenn Vermögenswerte, Sicherheiten und Abwicklung immer stärker über programmierbare Netzwerke laufen?“

Stablecoins schlagen eine Brücke zwischen Krypto- und Treasury-Märkten

Stablecoins sind eines der deutlichsten Beispiele für die Verbindung zwischen Krypto und dem traditionellen Finanzsystem.

Die größten durch Fiat gedeckten Stablecoins halten ihre Reserven in der Regel in Bargeld, Bankeinlagen, kurzfristigen US-Staatsanleihen, Reverse Repos oder ähnlichen liquiden Instrumenten. Das bedeutet: Der Stablecoin-Sektor ist nicht vom konventionellen Finanzsystem abgeschottet. Er ist bereits mit den Märkten für Staatsanleihen und Dollarlikidität verknüpft.

Laut Marktdatenanbietern wie der Stablecoin-Marktübersicht von CoinGecko liegt der Gesamtwert von Stablecoins weiterhin deutlich über der Marke von 100 Milliarden US-Dollar. Diese Größenordnung ist wichtig. Sollte ein großer Stablecoin plötzlich Vertrauen verlieren, könnten erzwungene Veräußerungen von Reserven oder Rücknahme-Druck womöglich Stress in kurzfristige Refinanzierungsmärkte übertragen.

Deshalb haben Regulierer Stablecoins so stark in den Mittelpunkt der Debatte um digitale Vermögenswerte gerückt. Die Federal Reserve hat wiederholt über die Auswirkungen von Stablecoins auf Zahlungsverkehr, Finanzstabilität und bankähnliche Aktivitäten gesprochen, unter anderem in ihren Financial Stability Reports.

Mit anderen Worten: Die Regulierungslücke betrifft nicht nur den Schutz von Krypto-Händlern. Es geht auch darum, zu verhindern, dass sich Stress in den Märkten für digitale Vermögenswerte auf das breitere Finanzsystem überträgt.

Die Parallele zu 2008: Geteilte Infrastruktur verbreitet Risiken

Abernethys Vergleich mit der Finanzkrise von 2008 ist wichtig, weil er den Fokus auf die Infrastruktur lenkt.

Vor 2008 glaubten viele Institute, sie seien nur indirekt in riskante, mit Hypotheken verknüpfte Produkte involviert. Doch als die Krise ausbrach, breiteten sich Verluste über Refinanzierungsmärkte, Derivate, Sicherheitenketten und Vertrauenskanäle aus. Die Lehre daraus war: Institute können einem Markt ausgesetzt sein, selbst wenn sie den Vermögenswert im Zentrum der Krise gar nicht direkt halten.

Eine ähnliche Dynamik könnte sich im Bereich digitaler Vermögenswerte entwickeln, wenn die Tokenisierung weiter voranschreitet. Eine Bank betreibt vielleicht keine Kryptobörse. Ein Vermögensverwalter gibt vielleicht keinen Stablecoin aus. Eine Clearingstelle hält vielleicht keine volatilen Token. Trotzdem könnten alle auf gemeinsame Abwicklungssysteme, tokenisierte Sicherheiten-Netzwerke oder Liquiditätskanäle angewiesen sein, die mit der Infrastruktur digitaler Vermögenswerte verbunden sind.

Genau hier liegt die zentrale regulatorische Herausforderung: Je stärker Krypto und traditionelle Finanzwelt zusammenwachsen, desto weniger sinnvoll ist es, sie als getrennte Welten zu behandeln.

Was gute Regulierung bewahren sollte

Eine häufige Sorge in der Kryptobranche ist, dass Regulierung Innovation ausbremsen könnte. Dieses Risiko ist real, wenn Regeln schlecht konzipiert sind. Doch auch das Fehlen von Regeln kann Innovation schaden, weil es seriöse Institute von der Teilnahme abhält und Nutzer vermeidbaren Ausfällen aussetzt.

Ein ausgewogener Rahmen sollte die Kernvorteile der Blockchain-Technologie bewahren:

  • offene Abwicklungsnetzwerke
  • programmierbare Vermögenswerte
  • schnellere Bewegung von Sicherheiten
  • transparente On-chain-Aufzeichnungen
  • globaler Zugang zu digitalen Märkten
  • Optionen für selbstverwahrte Bestände

Gleichzeitig sollte er die Schwächen adressieren, die Nutzern immer wieder geschadet haben:

  • Vermischung von Kunden- und Unternehmensvermögen
  • verdeckte Hebelwirkung
  • mangelhafte Offenlegung
  • konfliktreiche Börsenstrukturen
  • schwache Verwahrpraktiken
  • unklare Behandlung im Insolvenzfall

Die beste Form der Krypto-Regulierung würde nicht jedes digitale Asset in eine veraltete Kategorie zwingen. Stattdessen würde sie Regeln schaffen, die zur tatsächlichen Funktion der jeweiligen Tätigkeit passen: Emission, Handel, Verwahrung, Clearing, Kreditvergabe, Zahlungsverkehr oder Abwicklung.

Warum Self-Custody weiterhin wichtig ist

Auch mit besseren Gesetzen sollten Nutzer nicht die gesamte Verantwortung für die Sicherheit ihrer Vermögenswerte auslagern. Regulierung kann Plattformrisiken senken, aber Gegenparteirisiken nicht vollständig beseitigen. FTX hat gezeigt, dass Nutzer, die ihre Vermögenswerte auf zentralisierten Plattformen lassen, im Falle eines Scheiterns der Plattform zu ungesicherten Gläubigern werden können.

Genau hier bleibt Self-Custody ein Grundprinzip von Krypto. Wer private Schlüssel direkt verwahrt, trennt Eigentum am Vermögen von der Zahlungsfähigkeit der Börse. Das beseitigt weder Marktvolatilität noch Smart-Contract-Risiken oder Transaktionsrisiken, gibt Nutzern aber eine deutlich stärkere Kontrolle über den Zugriff auf ihre Mittel.

Für langfristig orientierte Anleger, aktive DeFi-Nutzer und Investoren, die mit mehreren Blockchain-Ökosystemen arbeiten, kann eine Hardware-Wallet ein wichtiger Baustein des Risikomanagements sein. OneKey setzt auf die Offline-Sicherung privater Schlüssel, transparente Transaktionssignaturen und Multi-Chain-Asset-Management und ist damit in einem Markt relevant, in dem Verwahrstandards genauso wichtig werden wie die Regeln zur Marktstruktur.

Der Weg nach vorn: Regulierung und Nutzerschutz werden gemeinsam voranschreiten

Die Verzögerung des CLARITY Act im Senat stoppt die Entwicklung der Märkte für digitale Vermögenswerte nicht. Banken werden Tokenisierung weiter prüfen. Vermögensverwalter werden Blockchain-basierte Abwicklung weiter testen. Stablecoins werden ein zentraler Bestandteil der Krypto-Liquidität bleiben. Entwickler werden weiterhin Anwendungen bauen, die Werte on-chain bewegen.

Doch je länger die USA mit einer klaren Regelung warten, desto mehr Marktstruktur-Risiko sammelt sich an.

Der Zusammenbruch von FTX hat eine Lehre unvermeidbar gemacht: Digitale Vermögenswerte brauchen sowohl technologische Sicherheit als auch institutionelle Verantwortlichkeit. Klare Regulierung kann auf der institutionellen Seite helfen, indem sie Standards für Plattformen, Offenlegung, Verwahrung und Interessenkonflikte setzt. Self-Custody hilft auf der Nutzerseite, indem sie Einzelpersonen direkte Kontrolle über ihre Vermögenswerte gibt.

Je stärker Krypto Teil des breiteren Finanzsystems wird, desto wichtiger werden beide Elemente. Die Zukunft digitaler Vermögenswerte wird nicht allein von Code oder Gesetzgebung geprägt. Entscheidend wird sein, ob Marktinfrastrukturen Vertrauen in großem Maßstab aufbauen können.

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