Catfish-Effekt? Stablecoins sind keine Bedrohung für Bankeinlagen

YaelYael
/19. Dez. 2025

Schlüssel-Ergebnisse

• Einlagen bleiben stabil und wachsen trotz der Konkurrenz durch Stablecoins.

• Stablecoin-Reserven sind überwiegend in sicheren Staatsanleihen angelegt, nicht bei Banken.

• Banken integrieren digitales Geld schrittweise in ihre Systeme, um programmierbare Zahlungen zu ermöglichen.

• Neue Regulierung definiert Standards für sichere Stablecoins und senkt Risiken für Banken.

• Stablecoins agieren als Innovationsmotor für Banken und bieten schnelle, programmierbare Settlement-Assets.

Die Diskussion darüber, ob Stablecoins Bankeinlagen abziehen, gehört zu den hartnäckigsten Debatten im Krypto-Sektor. Doch mit zunehmender Datenlage und schärferen regulatorischen Rahmenbedingungen zeichnet sich ein weniger dramatisches, vielmehr ergänzendes Bild – im Sinne der Kernaussage von Christian Catalinis Forbes-Essay „How Banks Learned to Stop Worrying and Love Stablecoins“. Stablecoins verursachen keinen systemischen Abfluss von Einlagen. Stattdessen treiben sie Banken dazu an, ihre Zahlungsstrukturen und Treasury-Services zu modernisieren und die Verbindung zwischen Blockchain-Systemen und der traditionellen Finanzwelt zu vertiefen. (Zum Originalbeitrag in Forbes von Christian Catalini)

1) Was die Daten zu Einlagen tatsächlich zeigen

Wären Stablecoins ein direkter Ersatz für Privatkundeneinlagen, müsste man anhaltende, breite Rückgänge bei Einlagen erwarten. In den USA zeigt sich jedoch bis ins Jahr 2025 das Gegenteil: Laut dem vierteljährlichen Bericht der FDIC stiegen die inländischen Einlagen fünf Quartale in Folge bis zum dritten Quartal 2025 – trotz steigender Zinssätze, attraktiver Geldmarktfonds und neuer digitaler Alternativen für Bargeld. Auffällig dabei: Auch nicht versicherte Einlagen, die besonders anfällig für einen Wechsel zu Stablecoins gelten, trugen zum Wachstum bei. Diese Entwicklung lässt sich in den FDIC-Berichten für Q1 und Q3 2025 nachvollziehen.
Referenzen: FDIC Q1 2025, FDIC Q3 2025

Ein weiterer Faktor ist die „Einlagen-Stabilität“ („deposit stickiness“) im Zusammenspiel mit der Preisgestaltung. Eine Analyse der Federal Reserve Bank of New York zeigt, dass Banken selektiv unterschiedliche Einlagenarten neu bepreisen und durch Produktdiversifikation ihre Finanzierung sichern – ein weiterer Grund, warum der befürchtete Exodus in Stablecoins nicht eingetreten ist. (Analyse zu Einlagen-Betas)

2) Wo die Stablecoin-Reserven wirklich liegen

Ein zentraler Grund, weshalb Stablecoins keine Bankeinlagen „absaugen“, liegt darin, dass führende Emittenten den Großteil ihrer Reserven in kurzfristige US-Staatsanleihen und Rückkaufvereinbarungen (Reverse Repos) investieren – nicht in Bankkonten. Die wöchentlichen Berichte und monatlichen Testate von Circle zeigen, dass die Reserven von USDC hauptsächlich aus Staatsanleihen und Overnight-Repos über den bei der SEC registrierten Circle Reserve Fund bestehen – nur ein kleiner Teil befindet sich als Bankguthaben bei systemrelevanten Instituten. (Transparenzseite von Circle)

Auf struktureller Ebene zeigt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass sich das verwaltete Vermögen in Stablecoins 2025 auf über 200 Milliarden USD belief – mit einem deutlichen Anstieg an US-Treasury-Käufen in 2024 und 2025. Ein klares Indiz dafür, dass die den Stablecoins zugrunde liegenden USD eher in öffentliche Anleihemärkte als in Bankbilanzen fließen. (BIZ-Arbeitspapier: Stablecoins und sichere Vermögenspreise) Eine separate BIZ-Mitteilung erläutert die politischen Herausforderungen des Wachstums – Finanzstabilität, monetäre Souveränität und das Prinzip „gleiches Risiko, gleiche Regulierung“. (BIZ-Memo zum Stablecoin-Wachstum)

Fazit: Die Zusammensetzung der Reserven ist entscheidend. Solange Stablecoin-Reserven in T-Bills und Reverse Repos gehalten werden, verhalten sie sich nicht wie klassische Einlagen – und können im Gegenteil die strukturelle Nachfrage nach sicheren Vermögenswerten steigern.

3) Die Komplementarität in der Praxis

Stablecoins ersetzen Banken nicht, sie agieren zunehmend parallel oder integrieren sich sogar in bestehende Bankinfrastrukturen:

  • Visa hat die Stablecoin-Abwicklung in den USA erweitert. Emittenten und Acquirer können Visa-Forderungen mit USDC ausgleichen – sieben Tage die Woche. So modernisiert Visa den Geldfluss zwischen Partnern, ohne das Nutzererlebnis für Kartenkunden zu verändern. (Visa-Pressemitteilung vom 16. Dezember 2025)
  • Stripe reaktivierte 2024 Krypto-Zahlungen – beginnend mit USDC auf großen Blockchains – als Reaktion auf den Bedarf von Entwicklern und Händlern nach schnellem, programmierbarem Settlement. (TechCrunch-Bericht)
  • JPMorgan bringt mit „JPM Coin“ tokenisierte Bankeinlagen für institutionelle Kunden auf öffentliche Blockchain-Infrastrukturen – ein Hinweis darauf, wie Stablecoins und Banktoken koexistieren können. (JPM Coin-Produktseite, Was ist JPM Coin?)
  • DTCC, die zentrale US-Wertpapierverwahrstelle, erhielt eine No-Action Letter der SEC, um DTC-verwahrte Vermögenswerte zu tokenisieren und kündigte an, einen Teil der US-Staatsanleihen über das Canton Network zu minten – Schritte hin zu 24/7-Kollateralmobilität und atomarem Settlement. (DTCC-Ankündigung, DTCC x Canton)

Diese Entwicklungen untermauern die These, dass Stablecoins und tokenisierte Einlagen ergänzende Technologien sind: Stablecoins brillieren bei offenem, plattformübergreifendem Settlement, während tokenisierte Einlagen die regulatorischen Eigenschaften von Bankgeld für institutionelle Prozesse bewahren.

4) Regulierung holt auf – weniger Run-Risiken, klarere Rollen

In Europa gelten seit dem 30. Juni 2024 die MiCA-Regelungen (Titles III und IV) für Asset-Referenzierte Tokens (ARTs) und E-Geld-Tokens (EMTs). Die ESMA und die Europäische Kommission gaben 2025 präzise Leitlinien zur Übergangsfrist und zu den Anforderungen für nicht-konforme Token heraus. (ESMA/EC-Verlautbarung, 17. Januar 2025) Die EBA veröffentlichte finale sowie Entwurfsstandards zu Zulassungen, Berichterstattung und Aufsicht – ein entscheidender Baustein für eine kohärente Regulierung. (EBA-Mitteilung, EBA-Erklärung zur MiCA-Aufsicht)

In den USA dient weiterhin die Stablecoin-Regulierung der New Yorker Finanzaufsicht (NYDFS) als Maßstab: vollständige Reservedeckung, Trennung der Kundengelder und zeitgerechte Rückzahlung sind dort Pflicht. (NYDFS-Leitlinie) Der Jahresbericht der BIZ 2025 beschreibt eine Zukunft mit tokenisiertem Zentralbankgeld, Geschäftsbankgeld und Staatsanleihen – allerdings unterstreicht er auch, dass heutige Stablecoins ohne strenge Leitplanken keine dauerhafte Geldform sein können. (BIZ-Jahresbericht 2025, Kapitel III, BIZ-Pressemitteilung)

Regulatorische Klarheit legitimiert nicht jede Stablecoin – sie trennt sichere, einlösbare Token von risikoreicheren Varianten, definiert Pflichten von Emittenten und gibt Banken Vertrauen in Blockchain-Integration mit hohem Sicherheitsniveau.

5) Der Catfish-Effekt: Wettbewerb treibt Bankinnovation

Stablecoins beschleunigen auch die Einführung schneller Banküberweisungen. In den USA legte 2024–2025 das Volumen massiv zu:

  • Das RTP-Netzwerk von The Clearing House erhöhte das Limit pro Zahlung auf 10 Mio. USD – mit Höchstwerten bei Transaktionen, wachsendem Tagesvolumen und mehr als 1.000 angeschlossenen Instituten. (RTP 10-Millionen-Limit, Q2 2025 Wachstum, Rekordtag)
  • Der FedNow-Dienst überschritt Ende 2025 die Marke von 1.500 Teilnehmern und erhöhte ebenfalls sein Transaktionslimit auf 10 Mio. USD – ein Zeichen der steigenden Nachfrage nach permanent verfügbaren Banktransaktionen. (FedNow-Teilnehmer, Liste der Teilnehmer)

Mit diesen Entwicklungen können Banken das „always on“-Versprechen von Stablecoins zunehmend auch im Inland verwirklichen. Auf globaler Ebene bleiben Stablecoins dennoch unverzichtbar – als neutrale, programmierbare Settlement-Assets zwischen Wallets, Blockchains und Ländern.

6) Handlungsempfehlungen für Nutzer und Entwickler

  • Stablecoins und Bankeinlagen als komplementäre Werkzeuge betrachten. Instant-Payment-Systeme (RTP, FedNow) dort nutzen, wo verfügbar. Für On-Chain-Abwicklungen oder grenzüberschreitende Treasury-Transaktionen sind bewährte, vollständig gedeckte Stablecoins wie USDC sinnvoll.
  • Auf transparente Emittenten setzen. Prüfen Sie aktuelle Angaben zur Reservezusammensetzung, Einlösbarkeit und unabhängigen Prüfungen. (USDC-Transparenzseite) Eine BIZ-Analyse zeigt, wie Reservequalität an der Stabilität eines Stablecoin-Kurses entscheidend beteiligt ist. (BIS-Studie zu öffentlicher Information und Stablecoin-Runs)
  • Institutionelle Nutzung beobachten. Visas USDC-Abwicklung, JPM Coins Einlagentoken und die Tokenisierung bei DTCC gelten als Frühindikatoren dafür, wie programmierbares Geld die Finanzwelt erweitert. (Visa USDC Settlement, J.P. Morgan, DTCC Tokenisierung)

7) Ergänzung: Globale Flüsse & Schwellenmärkte

Stablecoins sind mehr als ein Spekulationsmittel. Eine IWF-Studie zeigt substanziellen grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr mit Stablecoins – insbesondere in Regionen mit langsamer oder teurer Zahlungsinfrastruktur. Das deutet auf reale Nutzungsszenarien jenseits von Trading hin. (IWF-Arbeitspapier zu internationalen Stablecoin-Flüssen)


Zusammenfassung

  • Einlagen bleiben stabil und wuchsen zuletzt – entgegen der These einer sofortigen Verdrängung. (FDIC Q3 2025)
  • Stablecoin-Reserven liegen größtenteils in sicheren Staatsanleihen – nicht bei Banken. Das verschiebt den Fokus auf Marktinfrastruktur und Nachfrage nach sicheren Assets. (BIS Working Paper, USDC-Reserven)
  • Banken und Finanzmarktinfrastrukturen integrieren digitales Geld schrittweise: 24/7-Settlement, programmierbare Zahlungen und tokenisierte Vermögenswerte. (Visa, J.P. Morgan, DTCC)
  • Neue Regulierung (MiCA, NYDFS) definiert sichere Stablecoin-Standards – senkt Risiken und erleichtert Banken strategische Blockchain-Integration. (ESMA / EU-Kommission, EBA RTS/ITS, NYDFS, BIS Jahresbericht 2025)

Stablecoins sind keine Bedrohung, sondern ein Innovationsmotor – der „Catfish“ – der Banken zu schnellerer, programmierbarer Zahlungsinfrastruktur antreibt und gleichzeitig Crypto-Natives ein Settlement-Asset mit Internet-Geschwindigkeit bietet.


Sicherheitstipp für On-Chain-Stablecoin-Nutzer

Wenn Sie Stablecoins auf öffentlichen Blockchains halten oder bewegen, ist Selbstverwahrung Ihr wichtigster Schutz. Eine Hardware-Wallet wie OneKey verwahrt Ihre privaten Schlüssel offline, unterstützt Netzwerke wie Ethereum oder Solana (USDC, USDT), erlaubt sicheres Signieren und lässt sich mit bekannten Web3-Apps verbinden – für alltägliche Zahlungen oder DeFi-Nutzung.

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