Coldcard veröffentlicht sicherheitsorientiertes Firmware-Update: Betroffene Nutzer sollten Seed-Phrasen neu erzeugen und Guthaben migrieren

Aktualisiert am 20. Aug. 2026

Coldcard veröffentlicht sicherheitsorientiertes Firmware-Update: Betroffene Nutzer sollten Seed-Phrasen neu erzeugen und Guthaben migrieren

Coldcard hat neue Firmware-Versionen für seine Hardware-Wallet-Produktlinie veröffentlicht. Sie bringen strengere Regeln für die Generierung von Seed-Phrasen sowie mehrere Maßnahmen zur zusätzlichen Absicherung mit sich – als Reaktion auf eine kürzlich durchgeführte Überprüfung von Risiken im Zusammenhang mit der Erzeugung von Mnemonics.

Das Update betrifft die Coldcard-Firmware-Version 5.6.1 für Mk4 und Mk5 sowie die Coldcard-Q-Firmware-Version 1.5.1Q. Die Veröffentlichung folgt auf einen am 31. Juli ausgegebenen Notfall-Fix und eine anschließende mehrwöchige Sicherheitsprüfung. Die zentrale Botschaft für Nutzer ist eindeutig: Firmware-Updates können die künftige Sicherheit verbessern, sie können aber Seed-Phrasen, die unter möglicherweise betroffenen Bedingungen erzeugt wurden, nicht nachträglich absichern.

Für Krypto-Nutzer ist dies eine wichtige Erinnerung an ein grundlegendes Prinzip der Self-Custody: Die Sicherheit einer Wallet beginnt in dem Moment, in dem die Recovery Phrase erstellt wird.

Was hat sich in der neuen Coldcard-Firmware geändert?

Die wichtigste Neuerung ist, dass neu erzeugte Seed-Phrasen jetzt mindestens eine vom Nutzer bereitgestellte Entropiequelle enthalten müssen. Laut den aktuellen Firmware-Hinweisen und Sicherheitsempfehlungen von Coldcard müssen Nutzer beim Erstellen einer neuen Wallet Zufälligkeit über eine von mehreren physischen Methoden beitragen:

  • mindestens 65 unregelmäßige Tastendrücke
  • 50 physische Würfe mit einem Würfel
  • 128 physische Münzwürfe

Diese vom Nutzer erzeugte Zufälligkeit wird anschließend mit frischer Entropie aus dem echten Zufallszahlengenerator des STM32-Chips des Geräts sowie den Secure Elements SE1 und SE2 kombiniert. Praktisch soll dieser neue Ablauf die Abhängigkeit von nur einer einzigen Zufallsquelle verringern und Angriffe auf die Mnemonic-Erzeugung deutlich erschweren.

Für Nutzer, die verstehen möchten, warum Zufälligkeit bei der Wallet-Erstellung so wichtig ist, erklärt das U.S. National Institute of Standards and Technology das zugrunde liegende kryptografische Konzept in seiner Anleitung zur Erzeugung von Zufallsbits.

Warum die Entropie der Seed-Phrase wichtig ist

Eine Seed-Phrase ist nicht bloß eine Backup-Phrase. Sie ist der Ursprung der Kontrolle über eine Krypto-Wallet. In Bitcoin und vielen anderen Blockchain-Systemen wird die Mnemonic-Phrase verwendet, um private Schlüssel, Adressen und Signierberechtigungen abzuleiten. Wenn ein Angreifer vorhersagen oder beeinflussen kann, wie diese Phrase generiert wird, kann die gesamte Wallet gefährdet sein.

Moderne Wallets folgen typischerweise Standards wie dem BIP-39-Mnemonic-Format und hierarchisch-deterministischen Wallet-Designs wie BIP-32. Diese Standards sind weit verbreitet, weil sie Sicherung und Wiederherstellung von Wallets praktikabel machen. Ihre Sicherheit hängt jedoch weiterhin von der Qualität der ursprünglichen Entropie ab.

Genau deshalb kann zusätzliche physische Entropie, etwa durch Würfelwürfe oder unvorhersehbare Tasteneingaben, sinnvoll sein. Sie bringt Zufälligkeit von außerhalb des Geräts ein und macht es für eine kompromittierte oder fehlerhafte interne Komponente deutlich schwerer, den endgültigen Seed zu bestimmen.

Mehr als nur Mnemonics: Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen

Das Firmware-Update beschränkt sich nicht auf die Seed-Phrase-Erzeugung. Coldcard hat außerdem mehrere weitere Verbesserungen bei Sicherheit und Korrektheit eingeführt, darunter:

  • sofortige stufenweise PSBT-Prüfung vor dem Signieren
  • stärkere Abgrenzung des Verhaltens bei USB-Verbindungen und Firmware-Update-Abläufen
  • Verbesserungen bei der Isolation des Delta Mode
  • einen Fix für die Behandlung aktiver Wallet-Backups
  • robustere Initialisierung und Fehlerprüfungen des Zufallszahlengenerators
  • Änderungen am Standardverhalten von SIGHASH
  • mehrere weitere Sicherheits- und Korrektheitsverbesserungen

Für Bitcoin-Nutzer sind die PSBT-bezogenen Änderungen besonders relevant. Teilweise signierte Bitcoin-Transaktionen, beschrieben in BIP-174, werden häufig in air-gapped und Multi-Device-Signatur-Workflows eingesetzt. Eine strengere Validierung vor dem Signieren kann das Risiko verringern, dass ein Nutzer etwas anderes signiert als beabsichtigt.

Ein Firmware-Update behebt alte Seed-Phrasen nicht

Die wichtigste Maßnahme für Nutzer ist nicht einfach, die neueste Firmware zu installieren. Coldcard betont, dass ein Firmware-Update die historischen Bedingungen, unter denen eine Seed-Phrase erzeugt wurde, nicht verändert, wenn diese mit einer betroffenen Firmware erstellt wurde.

Mit anderen Worten:

  1. Ein Firmware-Update kann die künftige Wallet-Erstellung schützen.
  2. Es kann eine bereits erzeugte Mnemonic nicht rückwirkend sicherer machen.
  3. Nutzer im betroffenen Bereich sollten nach dem Update eine neue Wallet erstellen.
  4. Das Guthaben sollte dann auf Adressen übertragen werden, die von der neuen Seed-Phrase kontrolliert werden.

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Viele Nutzer gehen davon aus, dass ein Firmware-Update automatisch alle bekannten Sicherheitsprobleme behebt. Das trifft auf manche Softwarefehler zu, nicht aber auf Schwachstellen, die die Erzeugung langfristiger kryptografischer Geheimnisse beeinflusst haben könnten.

Empfohlene Schritte für betroffene Coldcard-Nutzer

Wenn Ihr Gerätemodell und Ihre Firmware-Historie in den von Coldcard beschriebenen betroffenen Bereich fallen, ist ein vorsichtiger Migrationsprozess ratsam.

1. Firmware vor der Installation prüfen

Laden Sie Firmware nur aus der offiziellen Quelle herunter und prüfen Sie vor der Installation die Signatur. Authentizitätsprüfungen der Firmware helfen, Supply-Chain-Angriffe zu verhindern, bei denen ein Nutzer unwissentlich schädliche Software installiert, die als Update getarnt ist.

Coldcard-Nutzer sollten die offizielle Dokumentation zum Firmware-Upgrade des Unternehmens für das korrekte Prüfverfahren heranziehen.

2. Die neueste Firmware installieren

Nachdem Sie die Echtheit der Datei bestätigt haben, aktualisieren Sie das Gerät auf die neueste für Ihr Modell verfügbare Firmware. Nutzer von Mk4-, Mk5- und Q-Geräten sollten sicherstellen, dass sie die neu veröffentlichten Versionen verwenden, die die Änderungen an der Mnemonic-Erzeugung enthalten.

3. Eine neue Seed-Phrase erzeugen

Erstellen Sie erst nach Abschluss des Updates eine neue Wallet. Verwenden Sie während der Einrichtung eine der erforderlichen physischen Entropiemethoden, etwa Würfelwürfe, Münzwürfe oder unregelmäßige Tasteneingaben.

Bewahren Sie die neue Recovery Phrase offline auf und geben Sie sie niemals in eine Website, eine Cloud-Notiz, einen Screenshot, eine Chat-App oder einen Passwort-Manager ein.

4. Das Backup überprüfen

Bevor Sie Guthaben übertragen, stellen Sie sicher, dass die Recovery Phrase korrekt notiert wurde. Ein fehlerhaftes Backup kann ebenso schädlich sein wie ein kompromittiertes.

5. Vermögenswerte in die neue Wallet verschieben

Sobald die neue Wallet verifiziert ist, migrieren Sie die Vermögenswerte von der alten Wallet zu Adressen, die von der neuen Seed-Phrase abgeleitet wurden. Für Bitcoin-Nutzer empfiehlt es sich, zunächst eine kleine Testtransaktion zu senden, bevor der gesamte Betrag übertragen wird.

6. Die alte Seed-Phrase außer Betrieb nehmen

Nachdem bestätigt wurde, dass die Gelder sicher in der neuen Wallet angekommen sind, sollte die alte Seed als für die zukünftige Nutzung nicht mehr geeignet betrachtet werden.

Was das für die Hardware-Wallet-Branche im Jahr 2025 bedeutet

Dieser Vorfall spiegelt einen breiteren Trend in der Krypto-Sicherheit wider: Die Branche entfernt sich von der Annahme, dass Hardware allein ausreicht. Im Jahr 2025 erwarten Nutzer zunehmend transparente Firmware-Prozesse, verifizierbare Updates, eine stärkere Entropie-Architektur, offene Sicherheitskommunikation und klarere Migrationshinweise, wenn Risiken entdeckt werden.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Self-Custody bleiben die Qualität der Seed-Erzeugung, die Transaktionsprüfung und die Integrität der Firmware zentrale Faktoren für die Sicherheit der Nutzer. Die Zunahme ausgefeilterer Phishing-, Supply-Chain- und Transaktionsmanipulationsangriffe macht es notwendig, dass Wallet-Hersteller Systeme entwerfen, die davon ausgehen, dass Nutzer in feindlichen Umgebungen arbeiten könnten.

Für Nutzer ist die Lehre ebenso klar: Eine Hardware-Wallet zu besitzen ist keine einmalige Einrichtungsaufgabe. Dazu gehören auch regelmäßige Firmware-Prüfungen, die Überprüfung von Backups und Aufmerksamkeit gegenüber Sicherheitswarnungen.

Eine Erinnerung an Self-Custody

Die Coldcard-Firmware-Veröffentlichung ist eine nützliche Fallstudie dafür, wie stark Wallet-Sicherheit von Entropie und transparentem Geräteverhalten abhängt. Eine sichere Recovery Phrase muss unvorhersehbar, korrekt erzeugt und über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg geschützt sein.

Für Nutzer, die Hardware-Wallet-Optionen prüfen, setzt OneKey auf Open-Source-Sicherheit, transparente Signierprozesse, Multi-Chain-Asset-Management und praxisnahe Self-Custody-Workflows. Unabhängig vom verwendeten Gerät bleibt die beste Praxis dieselbe: Firmware prüfen, Seed-Phrasen in einer vertrauenswürdigen Umgebung erzeugen, Backups offline aufbewahren und niemals eine Sicherheitswarnung ignorieren, die die Mnemonic-Erzeugung betrifft.

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