Ethereum-Forscher schlägt FOCIL-Zensurresistenz für das Hegota-Upgrade vor
Ethereum-Forscher schlägt FOCIL-Zensurresistenz für das Hegota-Upgrade vor
Am 27. Januar 2026 veröffentlichte der Ethereum-Forscher Thomas Thiery (alias „soispoke“) einen Vorschlag, der FOCIL als mögliche „Hauptattraktion“ für das bevorstehende Hegota-Hardfork ins Spiel bringt. Ziel ist es, durch eine Änderung auf Protokollebene die Zensurresistenz von Ethereum nachhaltig zu stärken (Hegota-Headliner-Vorschlag im Forum). Angesichts der laufenden Diskussionen über Hegota als zweites großes Netzwerk-Upgrade im Jahr 2026, das grob für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant ist, zeigt die Veröffentlichung von Thierys Vorschlag: Die Community wägt derzeit genau ab, welche Neuerungen beim nächsten Upgrade höchste Priorität genießen sollen.
In diesem Artikel erfährst du, was FOCIL ist, warum es gerade jetzt eine Rolle spielt, welche Kompromisse es mit sich bringt und worauf Ethereum-Nutzer im Zuge der Hegota-Planung achten sollten.
Warum Zensurresistenz im Jahr 2026 wieder verstärkt im Fokus steht
Zensurresistenz ist keine bloße Ideologie in der Blockchain-Welt, sondern eine essenzielle Eigenschaft: Jede gültige Transaktion sollte innerhalb eines vorhersehbaren Zeitrahmens in die Blockchain gelangen können – auch dann, wenn mächtige Zwischeninstanzen dies zu verhindern versuchen.
In den vergangenen Jahren ist das Ethereum-Ökosystem mit mehreren Trends weiter gereift:
- Zunehmende Abhängigkeit von spezialisierter Infrastruktur (Block-Builder, Relays, RPC-Endpunkte)
- Eine komplexere MEV-Wertschöpfungskette
- Erhöhter regulatorischer Druck auf zentrale Infrastrukturbetreiber
- Wachstum von Rollups und Cross-Chain-Bridges, wodurch der politische und wirtschaftliche Wert von Layer1-Abwicklungen steigt
In diesem Kontext setzt FOCIL an: Ethereum soll auf Basisebene so gestärkt werden, dass Inklusion nicht nur „wahrscheinlich“, sondern systematisch durchgesetzt wird – als Ausdruck der „glaubwürdigen Neutralität“ des Netzwerks.
Was ist FOCIL?
FOCIL steht für Fork-choice enforced Inclusion Lists und ist derzeit als EIP-7805 spezifiziert (EIP-7805 auf eips.ethereum.org).
Vereinfacht gesagt handelt es sich bei FOCIL um einen Mechanismus auf Protokollebene, der sicherstellen soll, dass jede gültige Transaktion innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens in einen Block inkludiert wird, selbst wenn Zensurversuche bestehen.
Das Grundprinzip:
- Ein Komitee von Validierern wird ausgewählt, das sogenannte Inclusion Lists (Listen empfohlener Transaktionen) veröffentlicht.
- Der Blockproduzent wird verpflichtet, diese Transaktionen im nächsten Block zu inkludieren.
- Das Abstimmverhalten bei der Fork-Choice wird angepasst: Nur Blöcke, die die Inclusion-Vorgaben erfüllen, erhalten Stimmen von den Validators. Blöcke, die gültige Inclusion-Transaktionen ignorieren, werden vom Konsens benachteiligt.
Wichtig: FOCIL sagt nicht „bitte inkludiert diese Transaktionen“ – sondern: Wer sie nicht inkludiert, produziert nicht-konkurrenzfähige Blöcke gemäß der Konsensregeln.
Weitere Hintergründe und Motivationen findet ihr im Beitrag der Robust Incentives Group der Ethereum Foundation (FOCIL Übersicht).
Warum wird FOCIL speziell für Hegota diskutiert?
In seinem Vorschlag zur Hegota-Hauptfunktion argumentiert Thomas Thiery, dass FOCIL die Inklusionsgarantien von Ethereum deutlich verbessert, indem mehrere Validatoren gemeinsam die Aufnahme von Transaktionen erzwingen können – und nicht alles am Wohlwollen eines einzelnen Blockproduzenten oder weniger Builder hängt (Diskussionsthread).
Gleichzeitig verfolgen Ethereum-Core-Developer mittlerweile einen klareren und häufigeren Upgrade-Rhythmus. Die Planung und Diskussionen zu Forks finden offen in Formaten wie den All Core Devs – Execution Calls statt (ACDE #226 Notizen). In diesem Umfeld profitiert ein potenzieller „Headliner“ wie FOCIL von:
- Bereits vorhandener Spezifikation (EIP-7805 ist fertig ausgearbeitet)
- Einem klaren sicherheitsrelevanten Ziel: zeitnahe Inklusion
- Einer direkten Verbindung zu aktuellen Sorgen rund um Builder-Zentralisierung und Zensur
Wie FOCIL funktioniert (konzeptionell und einfach erklärt)
FOCIL ergänzt das Konsensprotokoll um eine neue Einschränkung:
- Ein kleines Komitee von Validatoren veröffentlicht Inclusion Lists für ein bestimmtes Slot.
- Der folgende Block soll diese Transaktionen aufnehmen – oder beweisen, dass dies aus Platz- oder Gültigkeitsgründen nicht geht.
- Anschließend attestieren Validatoren zugunsten von Blöcken, die sich an diese Vorgaben halten – und bestrafen jene, die es nicht tun.
Deshalb gilt FOCIL auch als Änderung im Bereich der Fork-Choice-Regeln: Transaktionsinklusion bestimmt stärker, welcher Block als „bester“ angesehen wird. Inclusion ist also kein Privatfall des Blockproduzenten mehr.
Detaillierte Informationen zu Auswahlkriterien des Komitees, Verbreitungsregeln, Equivocation und Validierungslogik liefert die Spezifikation zu EIP-7805.
Welche Probleme FOCIL adressiert
1) Zensur durch Block-Builder oder Relays
Auch wenn Ethereum auf Validatorebene dezentral bleibt – die Produktion von Blöcken könnte sich zentralisieren. Dominiert eine kleine Anzahl Builder, können deren Richtlinien schnell zur Transaktionsfilterung führen.
FOCIL setzt genau dort an: Ein Validator-Komitee kann die Inklusion durchsetzen – und so dafür sorgen, dass einzelne Akteure keine langanhaltende Filtermacht besitzen.
2) „Sanfte Zensur“ durch Verzögerung
Zensur bedeutet in der Praxis oft: Verzögerung, nicht vollständiger Ausschluss. Eine gültige Transaktion wird nicht sofort aufgenommen – sei es wegen Risikokontrollen, privater Mempools oder Filterregeln.
FOCIL will sicherstellen: Einmal gültig, darf eine Transaktion nicht beliebig oft übergangen werden – die „weiche Zensur“ verliert an Effektivität.
Welche Kompromisse & offenen Fragen diskutiert werden
FOCIL bringt nicht nur Vorteile. Sollte es als Teil von Hegota ernsthaft in Betracht gezogen werden, dürften unter anderem folgende Punkte diskutiert werden:
- Netzwerklast & Komplexität: Inclusion Lists müssen schnell und zuverlässig im Netzwerk verbreitet werden. Zudem müssen Validatoren unter engen Zeitvorgaben die Vorgaben validieren.
- Liveness & Stabilität: Zusätzliche Konsens-Constraints dürfen das Netzwerk-Arbeiten in Stressphasen (z. B. Netzwerkausfällen) nicht behindern oder lahmlegen.
- Anreizmechanismen: EIP-7805 beinhaltet keinen eigenen Incentive-Mechanismus für Inclusion List Publisher – es basiert auf den üblichen Annahmen zum Validatorverhalten (EIP-7805 Begründung). Die akademische Forschung hat indes alternative Gebührenmodelle und Multi-Proposer-Incentives untersucht (Paper von Stouka, Ma, Thiery).
- Juristische Risiken: Wenn Inklusion schwerer verweigert werden kann, sorgen sich manche Betreiber vor rechtlichen Problemen in restriktiven Jurisdiktionen – keine rein technische, aber praktische Fragestellung im Jahr 2026.
Was bedeutet FOCIL für normale Ethereum-Nutzer?
Sollte FOCIL (oder ein ähnliches Design) umgesetzt werden, ändert sich für Nutzer subtil, aber wesentlich:
- Gültige Transaktionen haben eine stärkere Garantie, tatsächlich inkludiert zu werden, selbst wenn einzelne Infrastrukturbetreiber sie ablehnen wollen.
- Dies kann langfristig die Abhängigkeit von „Sonderkanälen“ reduzieren – also exklusiven Relays, privaten Broadcasts oder persönlichen Builder-Kontakten.
Allerdings bleiben einige Punkte weiterhin relevant:
- Gebühren (Inklusion ≠ kostengünstige Inklusion)
- Datenschutz (FOCIL macht Transaktionen nicht anonym)
- MEV & Front-Running (FOCIL betrifft Inklusion, nicht MEV-Beseitigung)
Wo OneKey ins Spiel kommt: Zensurresistenz fängt bei Selbstverwahrung an
Zensurresistenz auf Protokollebene ist nur ein Teil der Geschichte. Der andere: Wer kontrolliert deine privaten Schlüssel?
Befinden sich deine Assets bei einem Verwahrer, kann Zensur schon vor Ethereum erfolgen – auf Ebene deines Accounts, bei Auszahlungen oder bei API-Zugängen. Selbstverwahrung bedeutet: Du hast immer die Möglichkeit, selbst zu signieren und Transaktionen zu senden.
Hier zeigt sich die Stärke einer Hardware-Wallet wie OneKey: Durch Offline-Aufbewahrung der Schlüssel und On-Device-Bestätigung schützt sie vor Schadsoftware, kompromittierten Browsern und manipulativen Signatur-Aufforderungen – gerade in Upgrade-Phasen, in denen Phishing und Fake-Wallets zunehmen.
Wichtige Entwicklungen rund um Hegota (ab Januar 2026)
Stand Januar 2026 ist FOCIL eine ernsthafte Option für das Hegota-Upgrade – aber noch kein beschlossener Bestandteil.
Wer informiert bleiben will, sollte diese Quellen im Blick behalten:
- Diskussion zur FOCIL-Integration als Hegota-Hauptfunktion: Thread im Ethereum Magicians Forum
- Spezifikation von FOCIL: EIP-7805
- Kontext & Zeitpläne der Core-Dev-Gespräche: ACDE #226 Notizen
Fazit
FOCIL steht für eine klare Richtung: Zensurresistenz soll durch konsensbasierte Inklusionsgarantien statt bloßer „Best-Effort“-Hoffnung abgesichert werden. Sollte sich die Community darauf für Hegota einigen, wäre das eine der deutlichsten Protokollmaßnahmen zur Verteidigung von Ethereums Neutralität – in Zeiten zunehmend professioneller Blockproduktion und wachsender regulatorischer Zwänge.
Für Nutzer gilt: Augen auf bei der Entwicklung von Hegota – aber Kontrolle beginnt schon heute. Verwalte deine Schlüssel selbst, prüfe deine Signaturen genau – und gestalte dein Setup möglichst unabhängig von Drittparteien.



