Steht ein neuer US-Regierungsstillstand bevor – und trifft es wieder den Kryptomarkt?
Steht ein neuer US-Regierungsstillstand bevor – und trifft es wieder den Kryptomarkt?
Im Kryptobereich zählt nicht nur das Kurschart – auch der Kalender ist von großer Bedeutung.
Zwischen dem 1. Oktober und dem 12. November 2025 erlebten die Vereinigten Staaten einen 43-tägigen Regierungsstillstand, der nicht nur die Veröffentlichung wirtschaftlicher Daten blockierte, sondern auch weltweit die Risikobereitschaft auf den Märkten bremste. Das U.S. Bureau of Labor Statistics legte im Nachgang offen, wie stark der Stillstand die Veröffentlichung des Verbraucherpreisindex (CPI) beeinträchtigte – ein sogenannter “Data Blackout”, der sämtliche makroempfindliche Assets treffen kann, auch Krypto (BLS-Bericht zur CPI-Beeinträchtigung durch Shutdown, BLS: überarbeiteter Veröffentlichungskalender).
Nun steht derselbe Showdown erneut bevor.
Mit Stand vom 27. Januar 2026 läuft der US-Kongress erneut gegen die Uhr, um neue Haushaltsmittel zu verabschieden, bevor die Finanzierung am 30. Januar ausläuft (genauer: am 31. Januar um 00:01 Uhr ET, je nach Formulierung der Übergangsregelung). Große Medien sprechen bereits von einer wachsenden Gefahr eines erneuten Shutdowns (Wall Street Journal über die drohende Frist, AP-Bericht zur letzten Finanzierungsrunde).
Gleichzeitig zeigen auch krypto-interne Signale Warnzeichen: Polymarket, ein On-Chain-Vorhersagemarkt, preist derzeit eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Shutdown bis Ende Januar ein. Am 27. Januar 2026 lag die Wahrscheinlichkeit für „Wird es bis zum 31. Januar einen weiteren US-Shutdown geben?“ bei rund 74 % (Polymarket-Wettmarkt).
Die zentrale Frage für Kryptoinvestoren lautet also schlicht:
Wenn Washington wieder blockiert – stürzt der Kryptomarkt erneut ab?
1) Ein Shutdown zielt nicht auf Krypto – trifft aber dieselben Schwachstellen
Ein US-Regierungsstillstand richtet sich nicht speziell gegen Krypto. Aber er trifft genau jene Mechanismen, die oft Bitcoin-Volatilität und die Kursbildung risikobehafteter Assets antreiben:
A. Liquiditätserwartungen schrumpfen bei wachsender Unsicherheit
In vielen Marktphasen verhält sich Krypto wie ein hoch-beta-getriebenes Makro-Asset. In Risikophasen zeigen sich oft dieselben Muster:
- Leverage wird abgebaut
- Funding Rates rutschen ins Negative
- Altcoin-Liquidität trocknet zuerst aus
- Produkte mit „sicherer Rendite“ ziehen Mittel ab
Gerade Letzteres hat 2025–2026 deutlich an Bedeutung gewonnen: Krypto-native „Cash“-Produkte konkurrieren direkt mit Stablecoins.
Beispiel: Tokenisierte US-Staatsanleihen. Diese parkähnlichen Instrumente sind zu einem bedeutenden Teil des On-Chain-Kapitals geworden. Laut Daten von RWA.xyz betrug das Volumen dieser tokenisierten Treasuries am 27. Januar 2026 rund 10,08 Mrd. USD (RWA.xyz Treasuries-Dashboard). In Risiko-Phasen steigen die Zuflüsse in solche Produkte oft stark – was die Nachfrage nach volatilen Kryptos senken kann.
B. Der „Data Blackout“ trifft Krypto stärker als erwartet
Beim Shutdown 2025 ging es nicht nur um Behördendienste – sondern um fehlende Informationen.
Wenn CPI, Arbeitsmarktdaten und andere Veröffentlichungen ausgesetzt oder verschoben werden, verlieren Makro-Trader ihre Hauptdatenquelle für Zinserwartungen. Das BLS erklärte, dass während des Shutdowns keine CPI-Daten erhoben wurden und die Veröffentlichungszeitpläne komplett reorganisiert werden mussten (BLS-Infoseite zum CPI-Stillstand).
Für Krypto ist das entscheidend, da:
- Zinserwartungen die Stärke/Schwäche des USD steuern
- USD-Dynamiken wiederum die globale Risikobewertung beeinflussen
- Risikobereitschaft die Handelsvolumina, Leverage-Nutzung und Liquidationswellen auslöst
C. Regulierung und Politik geraten ins Stocken (auch wenn die Märkte offen sind)
Während eines Shutdowns arbeiten viele Behörden nur mit Notbesetzung. Das kann zu Verzögerungen führen bei:
- Regulierungsverfahren
- Lizenzierung und Aufsicht
- öffentlicher Kommunikation (z. B. steuerliche Hinweise)
Auch wenn man nicht aktiv auf Regulierungs-Narrative wettet – mangelnde politische Sichtbarkeit erzeugt Volatilität.
2) Ausgang 2025: Der Shutdown kostet – und der Schaden ist nicht ganz reversibel
Ende 2025 machten Ökonomen und Watchdog-Gruppen deutlich: Ein Shutdown verursacht reale wirtschaftliche Kosten – und nicht alles wird danach „aufgeholt“.
PolitiFact fasste zusammen, dass laut dem Congressional Budget Office ein Teil der Wirtschaftsleistung dauerhaft verloren gehe, abhängig von der Dauer im Bereich von 7 – 14 Milliarden Dollar (PolitiFact-Erklärung zu Shutdown-Kosten).
Warum sollte das Krypto interessieren?
Weil Krypto-Preise oft eine Abstimmung über folgende Punkte sind:
- künftige Wachstumserwartungen
- künftige Liquiditätsverfügbarkeit
- künftige politische Stabilität
Ein Shutdown ist ein Stresstest für alle drei.
3) Besonderheit 2026: Fed-Sitzung fällt genau in das Shutdown-Fenster
Der makroökonomische Kalender ist dieses Mal noch ungünstiger.
Das Januar-Treffen des Federal Open Market Committee (FOMC) ist angesetzt auf den 27.–28. Januar 2026 (offizieller Fed-Kalender). Das bedeutet:
- Händler müssen gleichzeitig für eine geldpolitische Entscheidung und ein fiskalisches Risiko positionieren
- Volatilität konzentriert sich auf ein kürzeres Zeitfenster
- Überraschungen können sich vervielfachen (hawkisher Ton der Fed + Shutdown-Schlagzeilen ergeben eine explosivere Mischung als jede Komponente allein)
Für Krypto bedeutet das: Kombinierte Auslöser erhöhen die Wahrscheinlichkeit von:
- plötzlichen, scharfen Ausschlägen
- Liquiditätslücken übers Wochenende
- forcierten Enthebelungen bei Perpetual-Kontrakten
4) Was in den nächsten vier Arbeitstagen relevant ist (Makro & Krypto)
Es bleiben nur noch vier US-Arbeitstage bis zum 30. Januar (27.–30. Januar). Diese Indikatoren sind jetzt entscheidend:
1) Das OPM-Signal (offizieller Shutdown-Auslöser)
Die Regeln von Polymarket beziehen sich explizit auf den operativen Status des U.S. Office of Personnel Management (OPM) als maßgeblichen Indikator (OPM-Statusportal).
Kommt es zum Shutdown, liefert das OPM eine der verlässlichsten Ja/Nein-Bestätigungen für die Märkte.
2) Dollar-Liquiditätsproxies: Stablecoins und tokenisierte Cash-Produkte
Stablecoins sind inzwischen weit mehr als nur “Trading-Paare”. 2025 agierten sie als wichtigste Zahlungsschiene im Kryptosystem.
Zugleich trieb der Kongress Regelungen wie den STABLE Act 2025 voran – Ausdruck der zentralen Rolle von Stablecoins im Finanzsystem (Kongresstext zum STABLE Act 2025).
In „Risk-Off“-Phasen sollte man besonders achten auf:
- steigende Stablecoin-Dominanz
- steigende Tokenized-Treasury-TVL (RWA.xyz Treasuries-Dashboard)
- Illiquidität bei Altcoins – selbst wenn BTC stabil bleibt
3) Derivate-Markt: Funding, Open Interest, Liquidationen
Angst vor einem Shutdown zeigt sich oft zuerst durch:
- zurückgehendes Open Interest (Risikopositionen werden abgebaut)
- Funding Rates drehen negativ
- Liquidationscluster bei bekannten Preislevels
Bleibt hohes Leverage bis zur Frist bestehen, wird der Markt empfindlich – Schlagzeilen können automatische Verkäufe auslösen.
4) Börsenverhalten und Fiat-Infrastruktur (praktischer Layer)
Krypto handelt zwar rund um die Uhr, klassische Zahlungsinfrastruktur jedoch nicht. Ein Shutdown kann sekundäre Effekte verursachen:
- langsamerer Support und Compliance bei Dienstleistern
- reduzierte Personaldecke bei Behördenkontakten
- verzögerte Kommunikation
Das bedeutet nicht, dass „Fund-Gefahr“ besteht – aber in volatilen Phasen verändert sich das Nutzererlebnis spürbar.
5) Wird Krypto also abstürzen?
Ein Shutdown erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Pullbacks – garantiert ihn aber nicht.
Eine große Hilfe ist folgendes Modell:
- Kommt es in letzter Minute zur Einigung: Märkte feiern kurzfristig die Erleichterung – doch wenn der politische Konflikt ungelöst bleibt, ist die Rallye oft nicht von Dauer.
- Kommt es zum Shutdown: Erst Volatilität, dann Narrative. Der Markt preist Risiko schnell ein und sucht dann den nächsten makroökonomischen Ankerpunkt (Fed-Kommunikation, Zinsen, Inflationserwartungen).
- Zieht sich der Shutdown über Wochen: Je länger die Unsicherheit, desto stärker die Belastung für Risikofreude – und Krypto gedeiht selten in einem Umfeld, in dem institutionelle Anleger Positionen abbauen.
Kurz: Krypto wird nicht „bestraft, weil es Krypto ist“. Es wird getroffen, weil es liquiditätssensibel bleibt.
6) Ein einfaches Risikohandbuch für Krypto-User (keine Panik, nur Struktur)
Hier ein pragmatischer Fahrplan, dem viele erfahrene Trader oder langfristige Investoren bei makroökonomischen Risiken folgen:
- Reduziere Hebel an erster Stelle, nicht als Letztes. Wer Perps tradet, sollte mit kleinerem Einsatz und klaren Exit-Plänen agieren.
- Wähle Liquidität vor Cleverness. In schnellen Märkten gewinnt oft der, der umsetzen kann.
- Überprüfe DeFi-Kollateralpositionen. Wer gegen volatile Werte leiht, muss Puffer checken.
- Wochenenden einplanen. Deadlines treffen oft auf liquiditätsschwache Zeiten.
Und am wichtigsten:
Eigene Verwahrung neu absichern
Makroschocks sind genau die Momente, in denen Nutzer realisieren, warum Self-Custody so wichtig ist. Wer stark auf zentrale Plattformen setzt, ist auch deren operativen Einschränkungen im Ernstfall ausgeliefert.
Ein Hardware-Wallet wie OneKey ist für genau solche Szenarien gebaut – Private Keys bleiben offline, Sicherheitsfunktionen wie Passphrasen und versteckte Wallets schützen vor Zugriff, QR-basierte Übertragung (bei bestimmten Modellen) reduziert die Angriffsfläche in stressigen Marktphasen.
Abschließende Gedanken
Der Shutdown 2025 (1. Oktober – 12. November) hat gezeigt: Blockaden in Washington können zum weltweiten Liquiditätsthema werden – und Krypto ist nicht immun.
Mit der nahenden Frist am 30. Januar 2026 und bereits hohen Wahrscheinlichkeiten am Vorhersagemarkt gilt: Nicht Panik – sondern Vorbereitung ist die beste Reaktion.
Verstehe die Übertragungsmechanismen, verfolge die relevanten Indikatoren – und stelle sicher, dass deine Verwahrung und Leverage-Strategie dich nicht mitten im Chaos zu schlechten Entscheidungen zwingt.



