Warum fallen Bitcoin und Ethereum mit Risikoanlagen – steigen aber nicht immer mit ihnen?
Warum fallen Bitcoin und Ethereum mit Risikoanlagen – steigen aber nicht immer mit ihnen?
Wenn Aktien, Kredite und High-Beta-Anlagen steigen, scheint es nur logisch, dass auch Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) den Aufwärtstrend anführen. Doch in verschiedenen Marktphasen im Jahr 2025 war oft das Gegenteil zu beobachten: BTC und ETH reagierten bei Risikoaversion mit schnellen Abverkäufen, erholten sich jedoch nur zögerlich, wenn die Märkte wieder auf Risiko umschalteten.
Es liegt nahe, dies mit der simplen Erzählung „Krypto ist eben nur eine Risikoanlage“ zu erklären. Doch diese Deutung greift zu kurz. In den meisten Fällen sind krypto-eigene Entschuldungsprozesse und die Marktstruktur entscheidend: Wo liegt die Liquidität? Wie sind Derivatepositionen ausgerichtet? Und welche Arten von Käufern oder Verkäufern dominieren aktuell?
Im Folgenden ein marktstrukturorientierter Ansatz, um zu verstehen, warum BTC und ETH beim Abwärtstrend „mitlaufen“, beim Aufschwung aber oft hinterherhinken – inklusive wichtiger Signale, die man im Auge behalten sollte.
1) Makro-Narrative sind bequem – aber Krypto bewegt sich oft nach eigenen Regeln
BTC und ETH können durchaus mit Risikoanlagen korrelieren. Doch eine Korrelation allein erklärt nicht, warum sich Preise ändern. Krypto hat seine eigenen internen Mechanismen:
- Perpetual Futures und gehebelte Positionen können zum Verkauf zwingen – unabhängig vom Makro.
- ETF-Zuflüsse sind sprunghaft (manchmal stark, an anderen Tagen kaum vorhanden).
- Zersplitterte Liquidität (besonders über Layer-2s und Plattformen hinweg) beeinflusst, wie schnell sich Spot-Nachfrage auswirkt.
Kurz gesagt: Die Makrolage bestimmt die Stimmung, doch die Mikrostruktur des Marktes entscheidet über das Ergebnis.
2) Entschuldung führt zu asymmetrischen Bewegungen: Schneller Abwärts, langsamer Aufwärts
Der häufigste Grund, warum BTC und ETH „so schnell fallen“, ist nicht Panik – sondern Mechanik.
In gehebelten Märkten löst ein Kursrückgang oft eine Kettenreaktion aus:
- Der Preis fällt
- Margin-Anforderungen steigen
- Positionen werden reduziert oder liquidiert
- Zwangsverkäufe drücken den Preis weiter
Diese Rückkopplung erklärt, warum Kursrutsche schnell und „unvermeidlich“ wirken – selbst ganz ohne neue Makrosignale.
On-Chain- und Derivatanalysen verfolgen solche Vorgänge über Open Interest und das Liquidationsverhalten. Glassnode etwa dokumentierte wiederholt Situationen, in denen sich das Open Interest bei Abverkaufswellen drastisch verringerte – klassische „Leverage Flushes“. (Glassnode-Analyse zu Futures-Deleveraging)
Ein weiterer Indikator ist der CME-Futures-Aufschlag, häufig ein Maß für institutionelles Engagement und Arbitragemöglichkeiten. Sinkt dieser Aufschlag, verliert der Markt eine konstante Stütze auf der Spot-Seite. (CoinDesk über CME-Futures-Spread)
Wichtig: Nach einem Leverage-Auswasch ist der Markt „gereinigt“ – doch Aufwärtsbewegungen benötigen oft Zeit, um neue Spot-Nachfrage aufzubauen. Daher wirkt die Erholung zäher und uneinheitlich.
3) Der „ETF-Bid“ ist real – aber nicht dauerhaft
Spot-ETFs haben die Struktur des Kryptomarkts verändert – aber sie garantieren keine täglichen Nettokäufe.
ETF-getriebene Nachfrage ist:
- episodenhaft (häuft sich an bestimmten Tagen)
- abhängig von Allokationen und Rebalancing
- beeinflusst durch Basis-Trades und Hedging-Strategien
Wer abschätzen will, ob BTC und ETH von kontinuierlicher Nachfrage oder nur temporären Käufen gestützt werden, sollte transparente Flussdaten beobachten wie:
Für ETH waren diese Flüsse Mitte 2025 sogar besonders relevant – mit Phasen erheblicher täglicher Zuflüsse. (Investopedia über ETH-ETF-Zuflüsse)
Wichtig im Kontext des „Hinterherlaufens“: Andere Risikoanlagen profitieren oft von konstanten, systematischen Käufen (z. B. Rückkäufe, Altersvorsorgefonds). Krypto hingegen benötigt deutlich sichtbare marginale Käufer, um Verkaufsdruck aus vorangegangener Entschuldung zu kompensieren.
4) Ethereum hat eine zusätzliche Ebene: Wertabschöpfung vs. Skalierungserfolg
Die Diskussion um ETHs eher schwache Performance ist selten rein makroökonomisch. Sie dreht sich auch um die Frage, wie Ethereum in einer Rollup-Welt Wert abschöpft.
Dencun reduzierte Kosten – und veränderte dadurch auch die Fee-Dynamik
Das Dencun-Upgrade brachte Proto-Danksharding (EIP-4844) samt „Blobs“, um Rollups günstiger zu machen. (Infos zu Dencun und EIP-4844 auf ethereum.org)
Geringere Transaktionskosten führten jedoch auch dazu, dass weniger ETH verbrannt wurde (EIP-1559), was jenen Rückenwind abschwächt, auf den manche Investoren setzten. CoinDesk beobachtete, dass sich die ETH-Versorgungsdynamik nach Dencun verschob, da niedrigere Gebühren zu einer inflatorischen ETH führten. (CoinDesk: ETH nach Dencun inflatorisch)
Gleichzeitig bleibt der Blob-Fee-Ertrag volatil – teils überraschend niedrig – was neue Fragen zur Nutzung von L2s und zur Wirtschaftlichkeit des Mainnets aufwirft. (Cointelegraph: ETH Blob Fees auf Jahrestiefs 2025)
Upgrades verbessern laufend das Nutzererlebnis – aber der Preis zieht nicht immer sofort nach
Ethereum hat 2025 mehrere wichtige Roadmap-Meilensteine erreicht. So wurde „Pectra“ am 7. Mai 2025 auf dem Mainnet aktiviert – mit Fokus auf Benutzerfreundlichkeit und Validierungsprozesse. (ethereum.org zum Pectra-Upgrade)
Auch für kommende Upgrades bleibt der Fokus auf Skalierung – z. B. mit PeerDAS – und Zielen bis 2026. (Ethereum Foundation „Checkpoint #3: Juni 2025“)
Fazit: ETH kann strukturell stärker werden (besseres UX, bessere Skalierung), ohne dass sich dies kurzfristig im Kurs widerspiegelt – etwa wenn die Wertabschöpfung unsicher ist oder Marktstrukturen nicht mitspielen.
5) BTC und ETH werden in Krypto-Rotationen oft zur „Cash-Quelle“
Während spekulativer Phasen rotiert Kapital häufig in kleinere, riskantere Altcoins. Ironischerweise geraten BTC und ETH dabei unter Druck, da sie dann dienen als:
- schnell liquidierbare Assets mit hoher Liquidität
- Standard-Collateral
- neutralisierender Hedge gegen Altcoin-Exposure
Wenn Trades scheitern, verkaufen Marktteilnehmer, was sich verkaufen lässt – meist BTC oder ETH. So wirken sie im Abverkauf wie „Mitläufer“. Bei positiven Markttrends dagegen wandert Auftrieb oft zuerst in kleinere Projekte – BTC und ETH scheinen dabei „zurückzubleiben“.
Das sagt nichts über die langfristige Substanz aus – sondern etwas über den Ablauf einer überfüllten Positionierung, die sich zurückbildet.
6) Darauf sollte man jetzt achten: Ist die Entschuldung vorbei?
Wenn Leverage und Struktur die Hauptursachen sind, besteht auch der „Erholungs-Check“ aus strukturellen Signalen:
- Futures stabilisieren sich: Open Interest flacht ab; Finanzierungsraten normalisieren sich.
- Empfehlung: Glassnode zu Derivaten und Liquidationen
- Spot-Nachfrage wird nachhaltig: mehrere Wochen positiver ETF-Zufluss statt einzelner Spitzen.
- Nützlich: BTC ETF Flows – ETH ETF Flows
- Gebühren-Indikatoren bei Ethereum verbessern sich: kontiniuerlicher Blob-Einsatz, stabile Fee/Burn-Dynamik.
- Kontext: Dencun-Mechanik auf ethereum.org
- Regulierte Derivatemärkte wachsen (ohne übermäßiges Retail-Leverage): Mehr Vielfalt führt zu besserem Hedging, weniger reflexartige Liquidationen.
- Überblick: CME Crypto Highlights Q4 2025
7) Praktische Empfehlungen für Langfristige Anleger
- Verwechsle “Zurückbleiben” nicht mit “Defekt”. In vielen Phasen verarbeiten BTC und ETH lediglich Marktumstellungen.
- Leverage ist ein Marktfaktor – ob du ihn nutzt oder nicht. Auch ohne eigene Hebelwirkung spürst du die Liquidationen anderer.
- Selbstverwahrung ist in Entschuldungsphasen besonders wichtig. Wenn Volatilität hochgeht, treten Verwahr- und Betriebsrisiken oft zeitgleich auf.
Wer BTC und ETH durch solche strukturellen Umbrüche hält, ist mit Hardware-Wallets oft besser aufgestellt – und fokussiert auf langfristige Sicherheit statt kurzfristiger Markthektik. OneKey bietet Offline-Speicherung und effiziente Selbstverwahrung – besonders sinnvoll, wenn Zwangsverkäufe dominieren und man Risiken Dritter vermeiden will.
Diese Analyse dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.



