Warum Hyperliquid weniger verdient als Coinbase
Schlüssel-Ergebnisse
• Hyperliquid hat niedrigere Gebühren, was die Monetarisierung erschwert.
• Coinbase verdient durch Transaktionen und Abonnements erheblich mehr.
• On-Chain-Transparenz limitiert Einnahmen aus exklusiven Daten und Zugang.
• Hyperliquid verfolgt ein langfristiges, neutrales Marktmodell.
• Trader suchen nach niedrigen Gebühren, während Komfortsuchende zu Coinbase tendieren.
Im vergangenen Jahr verzeichnete Hyperliquids On-Chain-Orderbuch-Börse an manchen Tagen ein Handelsvolumen auf dem Niveau zentralisierter Börsen (CEX). Doch ein Blick auf die Einnahmen zeigt: Das Protokoll generiert deutlich weniger Umsatz als ein zentralisierter Anbieter wie Coinbase – und das trotz vergleichbarem oder sogar geringerem Handelsvolumen. Dieser Artikel beleuchtet das Spannungsfeld zwischen „Robinhood- vs. Nasdaq-Ökonomie“ und erklärt, wo der Wert in den jeweiligen Modellen entsteht – und was das für Entwickler, Trader und Selbstverwahrer bedeutet.
Die Zahlen im Überblick
- Das 30-Tage-Handelsvolumen für Perpetuals bei Hyperliquid schwankt im Bereich von mehreren hundert Milliarden Dollar, zuletzt lagen die Werte zwischen 200 und 300 Milliarden USD. Daten zu Gebühren und Umsatzanteilen („holders’ revenue“) sind transparent und On-Chain über DeFiLlama einsehbar. Aktuelle Kennzahlen zu 24h/7d/30d Gebühren und Volumen gibt es im Hyperliquid-Dashboard bei DeFiLlama.
- Die Basis-Gebühren bei Hyperliquid sind bewusst niedrig angesetzt (Maker ~0,01 %, Taker ~0,035 %), mit zusätzlichen Rabatten über ein VIP-Stufensystem. Mit dem HIP-3 „Growth Mode“ werden die Gebühren für neue Märkte um ~90 % gesenkt. Hyperliquid: Gebührenübersicht, CoinDesk über HIP-3.
- Coinbase erzielte 2024 einen Gesamtumsatz von 6,6 Milliarden USD, davon 4,0 Milliarden durch Transaktionen und 2,3 Milliarden durch Abonnements und Dienstleistungen. Auch 2025 bleibt das Subscription-Geschäft rund um Stablecoins, Staking, Custody etc. ein wichtiger Wachstumstreiber. Coinbase Shareholder Letter 2024, Coinbase 10-Q, Q3 2025.
- Die Gebührenstruktur von Coinbase fällt für Kleinanleger und selbst für fortgeschrittene Nutzer deutlich höher aus als bei DeFi-Plattformen. Coinbase: Gebührenübersicht.
Fazit: Hyperliquid bewegt riesige Volumina, verdient aber wenig pro Dollar – während Coinbase pro gehandelte Einheit deutlich mehr Umsatz generiert und zusätzlich durch Services verdient.
Robinhood- vs. Nasdaq-Ökonomie – im Krypto-Kontext
- Broker-Modell (wie Robinhood): Monetarisieren des Orderflows und Kapitalbestände. In den traditionellen Finanzmärkten verdienen Broker durch Payment for Order Flow (PFOF) und Zinsen auf Einlagen der Kunden. Die regulatorische Debatte darüber ist in den USA gut dokumentiert. CRS-Infoblatt zu PFOF, SEC-Regulierungsarchiv.
- Börsen-Modell (wie Nasdaq/Cboe): Monetarisieren des Zugangs. Börsen verlangen Transaktionsgebühren, verkaufen aber auch Anbindungen, Marktdatenfeeds, Co-Location und Listings. Diese Einnahmequellen sind öffentlich dokumentiert. Nasdaq: Connectivity und Datenprodukte, NYSE/Cboe-Gebührenübersicht.
Im Krypto-Bereich:
- Coinbase kombiniert das Broker- und Börsenmodell und verdient zusätzlich wie eine „Bank“ über Stablecoins, Staking und Custody.
- Hyperliquid hingegen baut reine Börseninfrastruktur, mit vollständiger Transparenz und On-Chain-Daten – nutzerfreundlich, aber schwerer monetarisierbar als herkömmliche Web2-Börsen.
Fünf strukturelle Gründe, warum Hyperliquid weniger Umsatz pro gehandelten Dollar generiert
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Gezielte Preis- und Gebührenreduktion
DeFi-Protokolle konkurrieren mit niedrigen, öffentlich einsehbaren Gebühren. Die Standard-Taker-Gebühr bei Hyperliquid ist nur ein Bruchteil der typischen Retail-Gebühr bei CEXen. HIP‑3 reduziert sie nochmals um ca. 90 % für neue Märkte, um Liquidität anzuziehen. Gebührenstruktur bei Hyperliquid, CoinDesk über HIP‑3.
Coinbase hingegen kann deutlich höhere Gebühren verlangen und Rabatte gezielt nur an VIPs vergeben. Coinbase-Gebühren. -
Kein Custody = keine Zinserträge
Hyperliquid ist vollständig non-custodial und verwaltet keine USD-Kundengelder, auf denen Zinsen erzielt werden könnten. Coinbase hingegen verdient erheblich durch das Halten von USDC auf der Plattform sowie durch Beteiligung an Zinserträgen von Circle. Das ist ein zentraler Bestandteil des Geschäftsbereichs „Subscriptions and Services“. Coinbase Q3 2025, Circle Investor Update zur Partnerschaft mit Coinbase. -
On-Chain-Transparenz erschwert Einnahmen aus Daten & Zugang
Traditionelle Börsen verdienen an exklusiven Datenfeeds, Co-Location und Anbindungen. Im DeFi sind Orderbuch und Trade-Historie öffentliche Güter – jeder kann die Daten kopieren. Das fördert die Offenheit, limitiert aber mögliche Einnahmen aus „Zugang“ wie in der TradFi-Welt. Nasdaq General 8, NYSE Connectivity via SEC, Cboe Connectivity Fees. -
Begrenzte Cross-Selling-Möglichkeiten (Staking, Custody, Subscriptions)
Coinbase verdient durch Kommissionen beim Staking, Custody-Services (z. B. im ETF-Bereich) und Mitgliedschaften. 2024 trugen diese Bereiche 2,3 Mrd. USD zum Umsatz bei. Hyperliquid hingegen ist ein Protokoll – zentralisierte Custody- oder Membership-Modelle widersprechen dessen Rolle. Coinbase Shareholder Letter 2024, 10Q Q1/Q3 2025. -
Regulierungsdruck fördert zentralisierte Intermediäre
In den USA bewegen sich On-Chain-Derivate in einer rechtlichen Grauzone. Fälle wie bZeroX/Ooki DAO zeigen, dass dezentrale gehebelte Handelsplätze Verpflichtungen und Strafen riskieren, wenn sie US-Retail zugänglich sind. Daher zögern Protokolle mit Monetarisierung. Zugleich profitieren regulierte Anbieter, da sie legal mit Custody, Renditen und Derivaten arbeiten dürfen. CFTC über bZeroX/Ooki, Ooki DAO Urteil, 2023.
Aber Hyperliquid geht bewusst einen anderen Weg — und genau das ist entscheidend
Hyperliquid entwickelt marktreife Infrastruktur, keine App für Endnutzer:
- Ein vollständig On-Chain-operierendes Orderbuch mit Preis-Zeit-Priorisierung sowie Margin-Checks zur Ausführungszeit — für maximale Fairness bei niedriger Latenz. HyperCore: Orderbuch und Matching
- Festgelegte Protokollregeln zur Orderabwicklung und -stornierung minimieren Front-Running und MEV-Probleme, ohne Sonderrechte zu verkaufen. Orderfluss-Logik im HyperCore
Diese Architektur verzichtet bewusst auf gewisse Einnahmequellen (kein PFOF, keine exklusiven Daten, keine Zinserträge aus Custody), gewinnt jedoch an langfristiger Verteidigbarkeit: transparente Abläufe, permissionless Listings per HIP‑3 und ein neutraler High-Performance-Markt für Entwickler.
Wie könnte das Protokoll Einnahmen steigern, ohne seine Grundprinzipien zu gefährden?
- Dynamische Gebühren, die bei hoher Volatilität steigen und in ruhigen Phasen sinken – flexibel bestimmbar durch On-Chain-Governance.
- Hochwertige Schnittstellen und Analyse-Services, vermarktet von Partnern off-chain, beim offenen Ledger – ähnlich wie „Enterprise Support“ statt Datenmauer.
- Institutionelle Zugangskanäle über regulierte Drittanbieter (KYC, Reporting, Risikokontrollen), die Protokollgebühren zahlen und ihren Kunden Rechenschaft ablegen – so bleibt der Wert On-Chain, während die Compliance off-chain erfolgt.
- Erweiterung an akzeptierten Sicherheiten und Settlement-Assets (z. B. Stablecoins mit starker Marktbindung), ohne zentrale Verwahrung oder Neutralitätsbruch.
Alle Wege erhalten das Fundament: öffentliche Marktstruktur, faires Matching und das offene Ökosystem für Entwickler.
Was bedeutet das für Trader und Teams?
- Wer Performance, Transparenz und geringe Gebühren sucht, wird bei Hyperliquid fündig – besonders in der HIP‑3-Wachstumsphase. HIP‑3 Gebührensenkung
- Wer „alles aus einer Hand“-Komfort sucht – Trading, Staking, Fiat-Ramps, Custody, Verzinsung – wird bei regulierten Plattformen wie Coinbase bleiben, die pro Nutzer durch Zusatzdienste mehr verdienen. Coinbase: Stablecoin-Erträge in 10-Q
- Für Entwickler ist die Frage strategisch: Arbeitet man an der Broker-Schnittstelle (UX, Distribution = Umsatz)? Oder an der Infrastruktur-Ebene (Neutralität, Skalierbarkeit = Verteidigbarkeit)? Beide Modelle können erfolgreich sein – aber auf unterschiedliche Weise.
Ein Hinweis zu Selbstverwahrung und Sicherheit
Ob direkt bei Hyperliquid oder via Aggregatoren – deine Schlüssel sind deine Sicherheitsgrenze. Hardware-Wallets isolieren Signaturen vom Browser-Umfeld und schützen vor Phishing, Malwares oder Fake Approvals. OneKey fokussiert sich auf schnelles Signieren für DeFi-Power-Nutzer, bietet Open-Source-Firmware und unterstützt diverse Perps‑Frontends – für sichere automatisierte oder manuelle On-Chain-Trades. Wenn du mit Größe agierst oder automatisierst, ist Key-Management Teil deiner PnL-Basis.
Hyperliquid verdient derzeit weniger pro gehandeltem Dollar, weil es sich für Infrastruktur statt Front-End entscheidet – und das ist Absicht, kein Mangel. Auf Dauer könnten die wertvollsten On‑Chain‑Börsen nicht wie Broker aussehen, sondern wie öffentliche Versorgungssysteme: transparent, effizient, neutral.



